Über den Tellerrand schauen

Warum beteiligt sich die JLS an dem Projekt "TuSch"? Das ist ganz einfach. Viele unserer Schüler haben bisher noch nicht allzu viele Erfahrungen außerhalb ihrer Lebensumstände machen können. Sie kennen das Leben in ihrer Familie und in der Schule, wo sie mit allen Regeln und Ritualen vertraut sind und sich aufgehoben fühlen. Aber ist das schon das ganze Leben? Mit Sicherheit nicht, denn auch Verunsicherung, die Auseinandersetzung mit dem Unbekannten und den Fragen, die daraus entstehen, eben der Blick über den eigenen Tellerrand ist absolut wichtig im Prozess des Erwachsenwerdens.

  
 
 
Dies genau bietet die Begegnung und die Zusammenarbeit mit einer künstlerischen, kulturellen Einrichtung, wie Kampnagel sie darstellt. Das TuSch-Projekt bietet uns allen eine Chance, neue Impulse zu erhalten, sich mit unbekannten Fragen auf vielfältige Weise zu beschäftigen, die Dinge des Lebens mit mehr Kreativität und Fantasie zu betrachten und zu verarbeiten. Der Stern in der Nudelsuppe kennt nur sein eigenes Rezept. Wir haben die Chance, auch in anders gekochten Gerichten die Nudel zu sein!

SchülerInnen der JLS
in einem Profi-Workshop auf Kampnagel

Quietschend öffnet sich die schwere Eisentür auf der Rückseite der Kasse. Beim Hochgehen höre ich schon auf halber Treppe laute Schritte, Rufe und Schreie. Hier kann es sich nur um Theater handeln. Ich betrete den Probenraum im Dunkeln - nur der Bühnenteil ist beleuchtet - und erblicke ca. zwanzig jugendliche Theaterspieler, die sich in einer Übung verausgaben. Der kleine, schmächtige Workshopleiter aus Chikago, Ron Bieganski, hat mit seiner Power, seiner Präsenz alle SchülerInnen im Griff. Ich suche und entdecke Svenja und Markus aus der Zehnten und Mai-Britt, Julia, Ines und Jan-Malte aus der Zwölften. Zusammen mit SchülerInnen aus dem Corvey-Gymnasium haben sie das Glück, bei dem Straßentheater-Profi aus Amerika an diesem Workshop auf Kampnagel teilnehmen zu dürfen. Im Rahmen des TuSch-Projekts, in dem die Julius Leber Schule und das Corvey-Gymnasium mit Kampnagel zusammenarbeiten, ist diese exklusive Veranstaltung möglich geworden.

Mit großer Begeisterung stelle ich fest, dass unsere SchülerInnen, die ich alle aus dem DSP-Unterricht kenne, in dieser professionellen Umgebung spielerisch alle noch einen Zahn zulegen. Sie geben alles, lassen sich hundertprozentig auf die Impulse von Ron Bieganski ein, strengen sich an, entwickeln Mut zur Fantasie, spielen mit fremden Jugendlichen zusammen, stellen Kontakte her und es sieht so aus, als würden sie sich schon lange kennen.

Am Ende verlassen sie den Probenraum erschöpft und mit sich selbst zufrieden. Sie haben eine Grenzerfahrung gemacht, aus der sie mit Stärke und Selbstbewusstsein herausgehen. Eine gute Sache!
(S. Einstein)