Seminarkurs
Als methodisches Rüstzeug sind zu erwarten bzw. in einem Kurs bereitzustellen/ zu vertiefen und zu reflektieren:Methoden/Verfahren zur Kenntnisgewinnung (Wissensmanagement)
- wie organisiere ich meinen Arbeitsgang?
- wie recherchiere ich? (Interviewtechnik, Internetrecherche, Umfrage …)
- welche Quellen (Personen/Material/Experimente) werde ich heranziehen?
- welche Literatur benötige ich?
- welche Arbeitsschritte sind für mich erforderlich?
- welche Meilensteine setze ich?
- wie kann ich den Zeitplan einschätzen bzw. neu gestalten?
- welche Hilfe benötige ich vom Lernberater/von „kritischen Freunden“?
- wie gehe ich mit Frustrationsphasen um?
- wie finde ich meine Forschungsfrage?
- welches sind für mein Thema aufschlussreiche Fragen?
- wie gliedere ich meine Arbeit?
- wie werde ich Quellenangaben sachgerecht handhaben?
- wie höre ich aktiv zu?
- wie kann ich geeignet nachfragen?
- wie knüpfe ich Kontakte?
- wie bringe ich meine Ideen am besten ein?
- wie stelle ich Sachverhalte sachlich, sprachlich angemessen dar?
- wie erfolgt die Niederschrift meiner Arbeit?
- welche Medien werde ich bei der Präsentation einsetzen?
- welches ist die geeignete Form der Visualisierung?
- welche Form der Präsentation (Referat, Protokoll, Powerpoint) wähle ich?
2. Phase: Klassenstufe 12

Dies ist die Phase der Durchführung. In allen bisher erprobten Durchgängen stand die individuelle Beratung und Förderung im Vordergrund: diese Förderung ist stark individualisiert und vereinbart.
Der Lernbegleiter sorgt für die notwendigen Strukturen, gibt Hilfestellungen, wenn sie gefordert werden, öffnet Türen in die schulfernen öffentlichen und privaten Räume, die erschlossen werden müssen für die mögliche experimentelle Arbeit. Er gewährt aktive Unterstützung, vernetzt Personen:
Dazu gehören:
Herstellen von Kontakten
Anregungen zur Planungsphase
Anregungen während der Durchführung
Geduld in allen Phasen der Projektdurchführung
Hilfestellung durch gleich gesinnte Mitschülerinnen und Mitschüler, die sich in einer ähnlichen Situation befinden
Regelmäßige „Statustreffen“
Individuelle Beratungsgespräche
Da die Arbeit/das Produkt meist im Rahmen einer Besonderen Lernleistung oder einer Facharbeit erstellt wird, wird außer der schriftlichen Dokumentation eine Präsentation in Form eines abschließenden Kolloquiums erwartet. Hierbei und während der Arbeitsphase in der Beobachtung durch den Lernberater ist Fähigkeit zur Kommunikation über das Sachthema und den Arbeitsprozess notwendig.
Die relativ große Freiheit, die den Schülerinnen und Schülern bei Arbeitseinteilung, Gestaltungs-aktivitäten und der Themensuche gewährt wird, bedingt einerseits geistige Beweglichkeit und Fantasie in besonderem Maße. Eine Einbindung der Arbeit in zu bewertende Produktionsphasen, die Bewertung des Produktes und die abschließende Evaluation des Lernprozesses erfordert geeignete Formen der Arbeitsdokumentation.
Wie kann Selbststeuerung unterstützt werden?
Je nach zur Verfügung stehender „Unterrichtszeit“ (ein klarer Zeitplan muss abgesprochen werden, mit Terminvorgaben („Meilensteine“) werden die erledigten und offenen Fragen in der Kursgruppe offen und ohne Scheu vorgetragen. Dazu wird ein „Feed-back-Ritual“ verabredet:
| Gutes Feedback Regeln für eine gute Rückmeldung ein Feedback muss vereinbart sein; Feedback-Geber und Feedback-Nehmer müssen bestimmte Regeln einhalten | |
|---|---|
| Regeln für das Geben von Feedback | |
| konstruktiv | Perspektiven für die Zukunft bieten |
| beschreibend, angemessen | keine Bewertung und Interpretation |
| konkret, nachprüfbar | keine verallgemeinernden und pauschalen Aussagen |
| subjektiv formuliert | eigene Beobachtungen und Eindrücke wiedergeben |
| nicht nur negativ | „Sandwich“: eine negative zwischen zwei positiven Schichten |
| Regeln für das Annehmen von Feedback | |
| zuhören | ausreden lassen |
| nachfragen | nicht rechtfertigen bzw. verteidigen |
| dankbar | auch wenn es nicht in richtiger Form gegeben wurde |
| nicht unkritisch akzeptieren | was war nützlich? was war wichtig?was wandert gleich in den Gedankenmülleimer? |
Wie lernen Lernende selbstgesteuert?
Auch hier ein Auszug aus einer Arbeit, der das Ringen und den Entscheidungsprozess gut wiedergibt:
„Zur Findung des Arbeitsthemas galt es, schwierigkeiten zu überwinden, nämlich ein grobes Feld von in Frage kommenden Gebieten auszugucken, dieses dann zu gewichten, zu punktieren und auszuformulieren. Mein eigenes künstlerisches Interesse war dabei schon leitend; ich versuchte zunächst, Ansprechpartner für farbtherapeutische Behandlungsweisen ausfindig zu machen, wohl wissend dass hierbei meine psychologischen Kenntnisse hinter den künstlerischen zurückstehen. Für eine von mir beabsichtigte wissenschaftliche Untersuchung des Themas tat sich eine Hemmnis auf, das ich nicht auflösen kann, das Beicht-, Seelsorge- und Verschwiegenheitsgebot, demzufolge ganze Teile bei der Anamnese im therapeutischen Bereich für mich im Dunkeln bleiben würden. Ich glaubte dabei dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit nicht gerecht werden zu können, weil vielleicht wesentliche Teile des zu erhebenden Materials nicht verfügbar gemacht werden können. … Recht schnell fand ich dann allerdings die Möglichkeit, die psychologischen Wirkungsweisen von Farben innerhalb der Werbung zu betrachten. Daraus ergab sich für mich eine allgemeine Erfassung von Wirkungsweisen der Farben in Werbung und Gesellschaft, womit ich di Themenfindung abgeschlossen hatte.“
Erfolgreich im Abitur 2004: Philipp, Carlo, Andreas, Siri-Lena, Nicola, Inga und Miriam

Dieselbe Autorin vermerkt im Laufe des Fazits:
“Bei der Erarbeitung des Sachwissens nahm ich erstmals bewusst Grenzen meiner Interessenfokussierung, meiner Selbstdisziplin und Ausdauer wahr. Doch anders als meine anfänglich geringe Ausdauer bei der Suche nach Interviewpartnern und den Schwierigkeiten einer genauen Eingrenzung meines Untersuchungsgebietes bildete sich ein Ansporn nach/durch die Klärung und Ausformulierung des eigenen Untersuchungsthemas heraus. Das war dann Motiv genug für mich selbst, meine eigene Ehrlichkeit und die Genauigkeit zu verbessern, mit der ich recherchierte. Ein halbes Jahr hatte ich fast unnütz im Umherirren bei der Themensuche „vertan“, doch nun bereitete mir das Arbeiten große Freude, da meine innere Neugier geweckt worden war, die Gesellschaft und Kultur dieses Landes zu hinterfragen.“ … „Abschließend habe ich bemerkt, dass ich unter Druck und stetigem intensiven Arbeiten bessere Ergebnisse erziele als von mir vermutet, auf dem Hintergrund, dass ich die Untersuchung zeitweilig sogar hatte aufgeben wollen. Auch musste ich mein eigenes Arbeitsschema finden um ergbnisreich zu arbeiten. Die Treffen innerhalb unserer BLK-Gruppe erschienen mir zeitweilig unnötig, doch muss ich beim Rückblick eingestehen, dass gerade sie mir in Zeiten der Untersuchungsstagnation mein Ziel vor Augen hielten und mich zur Arbeit anhielten.“
