Lernbegleitung beim selbstgesteuerten Lernen
1. Was ist Lernbegleitung beim selbstgesteuerten Lernen?Eine neue Lernkultur fordert die Qualifizierung eines Lernberaters: der Lehrer verlässt die gewohnten Rollen des lehrend Belehrenden und wechselt zum dienenden Lernbegleiter. An die Stelle der Wissensvermittlung tritt eine prozessorientierte, die Studierenden begleitende Lernberatung. Sie ist grundsätzlich freiwillig, unbürokratisch, vertraulich und kostenlos und führt zu Eigenverantwortung, besseren Arbeitsresultaten und bewusster Gestaltung des Prozesses.
Die Änderung des Selbstverständnisses und die sich anbahnende Verhaltensänderung sind notwendig, wenn selbstgesteuerte Lernprozesse ablaufen sollen.
Der Mythos „Lehren bewirkt Lernen“ und der Glaube, dass Wissenstransfer vom Lehrer zum Schüler die allein mögliche Art der Lernanleitung darstellt, gehören in Ablage. Das heißt nicht, dass zur Lehr- und Lernkompetenz in der Schule nicht auch die Vermittlung und effektive Aneignung von Inhalten weiterhin eine große Zeit einnehmen wird.
Lernbegleitung ist Zulassung größtmöglicher Gestaltungsräume für die Entwicklung des individuellen Lernprozesses einer Schülerin oder eines Schülers.
Vorbedingung ist also eine Vorbereitung auf Lebenslanges Lernen in der Schule, die Kompetenzen müssen vermittelt werden, die Schülerinnen und Schüler benötigen, um ihren Lernprozess selbstgesteuert zu organisieren.
Die Vermittlung der Kompetenzen und die Betreuung individueller Arbeitsweisen oder der Begleitung von Lerngruppen setzen Kenntnisse und Fähigkeiten voraus, die oftmals in der Lehrerbildung nur peripher behandelt werden. Der Lernbegleiter geht mit dem Individuum bzw. der Gruppe eine Kooperation ein, die getragen ist von einer wertschätzenden Grundhaltung, die weit über das Maß im bisher üblich fragend-entwickelnden Unterricht hinausreicht. Gruppenprozesse und gruppendynamische Ansätze, Grundsätze der Prozessorganisation und Prozessentwicklung, Umgang mit Lernkrisen und Gruppenkrisen sollten der Lehrerin/dem Lehrer bekannt sein. Hilfreich sind Kenntnisse über Lerntechniken, Methodenkompetenz und Lerntypen. Da während der Betreuung sehr intensive Beratungsgespräche zu führen sind, sind Kenntnisse in der reflektierten Gesprächsführung von Vorteil. Dem Lernbegleiter sind Feedbackstrukturen bekannt und er kann sie individuell und in der Gruppe umsetzen. Schließlich und endlich ist es erforderlich, den Prozess begleitende Lernkontrollen zu entwickeln und einzusetzen, wobei die Selbstevaluation und die Grundprinzipien der Gruppenevaluation einzusetzen sind.
Diese Kompetenzen sind im Kollegium oder schulübergreifend durch Fortbildungsmaßnahmen zu unterstützen. Die Entwicklung zu einer Schule als der zentralen Institution, die Erwerb von Lernkompetenzen in den Mittelpunkt schulischen Lebens stellt, sollte das Schulprogramm einer jeden Schule krönen.
2. Welche Organisationsformen für Lernbegleitung sind notwendig bzw. hilfreich?
Solange die Förderung der Lernkompetenz noch nicht Gegenstand aller Unterweisung in der Schule ist, bietet es sich an, einen eigenen Kurs während der Vorstufe anzubieten, in dem die individuelle Unterstützung auf dem Weg zur Selbststeuerung angeboten wird. In der Zwischenzeit ist in Hamburg die Richtlinie zur Durchführung von Seminarkursen veröffentlicht worden. Hier lassen sich die Grundprinzipien - fachlich eingebunden - trainieren.
In unseren Kursdurchgängen können wir auf die allgemein verbindliche Förderung der Lernkompetenz noch nicht zurückgreifen. Daher haben wir in zwei Stufen die Lernbegleitung erprobt:
1. Phase: Klassenstufe 11 (evtl. als Seminarkurs)

Schülerinnen und Schüler, die in das Einführungsjahr (Klasse 11 bzw. zukünftig Klasse 10) zur Studienstufe eintreten, haben in den vorangehenden Schuljahren meist einen Unterricht genossen, der vom Lehrer organisiert, geplant, strukturiert und entschieden wird. Der Lernende nimmt die Rolle eines passiv zuhörenden, meist reproduzierenden Individuums an.
Somit ist es Aufgabe eines Einführungskurses, die den jungen Heranwachsenden eigene Neugier und Bereitschaft, eine Herausforderung anzunehmen, aufzugreifen, ihre Kreativität durch eine Selbstbestimmte Anwendung schon vorhandener Lernstrategien herauszufordern. Dabei ist eine außergewöhnliche Belastbarkeit, Entscheidungsfreudigkeit und Beharrlichkeit erforderlich. Die Beteiligten, die sich freiwillig in den Kurs eingewählt haben, werden an folgende Zielsetzungen herangeführt
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Ad 1
- Schülerinnen und Schüler operationalisieren ihre Fragestellung (Themenbegrenzung)
- Schülerinnen und Schüler legen Methoden der Arbeit fest (Untersuchungsmethoden) und bekommen Hilfestellung
- Schülerinnen und Schüler erstellen einen Zeitplan
- Schülerinnen und Schüler führen ein Lerntagebuch
- Schülerinnen und Schüler geben monatlich Statusmeldungen ab
- Schülerinnen und Schüler dokumentieren Abweichungen vom Zeitsoll
- Schülerinnen und Schüler planen und führen Interviews
- Schülerinnen und Schüler recherchieren in Büchern/(Fach)Zeitschriften/Internet
- Schülerinnen und Schüler planen / führen durch und werten aus: Experimente
- Schülerinnen und Schüler erstellen Präsentationen mit Stellwänden/Tageslichtschreibern/ Stelltafeln/Powerpoint in der Schulöffentlichkeit
- Schülerinnen und Schüler legen schriftliche Ausarbeitung vor
- siehe schon 4
- Schülerinnen und Schüler beziehen Reflexionsprozess in die Ausarbeitung ein
