Das Moccafée-Konzept
Geschrieben von Webmaster   
Freitag, 15. Oktober 2010

Dieses Konzept wurde von der Jury des ersten Hamburger Bildungspreises zur Auszeichnung ausgewählt:

Mümmelmannsberg ist ein sozialer Brennpunkt.  Die hier aufwachsenden Kinder erfahren innerfamiliär nicht immer die erforderliche Anleitung und Förderung auf ihrem Weg in das Leben. Probleme beim typisch schulischen Lernen und jahrelange Mißerfolgserlebnisse sind oft die Folge.

Das Konzept
„Bildung als Ausbildung – wir machen die Schüler zu Experten“

Sie werden in einem Gastronomieprojekt ausgebildet und

  • erwerben hauswirtschaftliche Kenntnisse
  • entwickeln gastgewerbliche Kompetenzen
  • erweitern ihre kommunikativen Fähigkeiten
  • trainieren Problemlösestrategien
  • erfahren Wertschätzung
  • übernehmen aktiv soziale Verantwortung
  • und finden zu einem kompetenzorientierten Selbstkonzept.

Teilnahmebescheinigungen bzw. nach Abschlussprüfung in Klasse 10 ein Zertifikat werden erteilt, um die erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse  wertschätzend offiziell anerkennen und bestätigen zu können. Bei Bewerbungen können die Schüler so Kompetenzen und besonderes Engagement nachweisen und damit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen.

Die Umsetzung
Das Bistro „Moccafée“ ist ein Betriebsprojekt. Es bildet berufliche Realität in einem geschützen Rahmen ab. Jeden Freitag wird geöffnet. Zusätzlich werden kleine schulinterne Cateringaufträge übernommen sowie Veranstaltungen organisiert und betreut. In Kooperation mit dem Verein LMN werden Konzerte arrangiert. Zu dieser und anderen Veranstaltungen werden Gäste aus dem Stadtteil eingeladen (Seniorenheim, Grundschulen, Kitas). Dafür bringen die Teilnehmer im außerschulischen Bereich ihre Freizeit ein.
Die einheitliche Bistrobekleidung ist weinrot-schwarz. Die Einrichtung des  Caféraums unterstützt den professionellen Anspruch.  Die Schüler produzieren die angebotenen Speisen und Getränke selbst. Sie planen ihre Arbeitsabläufe, lernen den Umgang mit unterschiedlichen, möglichst professionellen Geräten, übernehmen Einkäufe und üben sachgerechte Reinigungstechniken.
Alle Teilnehmer werden in allen Aufgabenbereichen ausgebildet, damit sie ggf. flexibel an einem anderen Arbeitsplatz einspringen können. Jeder hat bestimmte Aufgaben in der Küche und am Tresen, die er regelmäßig verantwortlich übernimmt.  Je nach Fähigkeiten und Interessen der einzelnen Schüler können sie Ämter übernehmen (z.B. Teamleitung oder Stammkundenbetreuung), ihren Aufgabenbereich erweitern (z.B. zeitgleiche Produktion verschiedener Speisen) oder Aufgaben im Controlling übernehmen (z.B. Arbeitsorganisation überprüfen, Kundenbefragungen).
In der Club-Ecke bedienen die Schüler die Gäste direkt am Platz. Die Flohmarkttische sind ein weiteres beliebtes Amt: der diensthabende Verkäufer handelt eigenverantwortlich mit den Kunden die Preise aus. Wer sich an den kleinen Waffeleisen bewährt hat, wird befördert und darf das Profi-Eisen bedienen.
Berufsfeldbezogene Betriebsbesichtigungen und das Angebot entsprechender Praktikumsplätze (in Kooperation mit dem Studentenwerk, Mensa Bergedorf)  runden den gastronomischen Schwerpunkt ab. Einmal jährlich wird ein gastronomisches Fachseminar durch externe Dozenten angeboten.
Das Moccafée- Team kooperiert mit dem Verein „Der-Hafen-Hilft“. Mit Erfolg wurden Sachspendensammlungen z.B.  für das Pik-As durchgeführt. Weitere Aktionen sind geplant. Die Schüler erleben auf diese Weise beispielhaft, wie auch sie als Teil der Gesellschaft soziale Verantwortung übernehmen und entsprechend handeln können.

Das Team
Das dreiköpfige Anleiterteam ist multiprofessionell zusammengesetzt. Als Kompetenzen werden eingebracht: Sonderpädagogik, Sozialpädagogik, Fachlehramt Hauswirtschaft, Arbeitspädagogik, Berufsberatung.
Das Schülerteam besteht zur  Zeit aus 13 regelmäßigen Teilnehmern, davon sind 9 ganztägig dabei; 4 zwei Stunden dabei; 1 vierzehntägig dabei.
Schüler mit körperlichen oder geistigen Behinderungen gehören selbstverständlich dazu. Mehr als 50 „freie Mitarbeiter“ kommen bei Sonderöffnungen als Helfer dazu.
                             
Tagesablauf
Der Café-Tag beginnt um 8 Uhr mit der Warenproduktion. Von 9.35 bis 10.40 Uhr wird verkauft. Parallel dazu liegt die Mitarbeiterpause. Danach geht es bis 12.30 Uhr in verschiedenen Gruppen weiter mit Kassenabrechnung, projektbezogenem Fachunterricht und den notwendigen Aufräumarbeiten. Dabei werden wir von einer Helferin unterstützt, die über die H.D.Bartels-Stiftung eine Aufwandentschädigung erhält.

Investive Maßnahmen
Wir möchten einer größeren Anzahl von Schülern die Teilnahme ermöglichen und dafür das Projekt um weitere Tätigkeitsbereiche erweitern: Ausbau des Cateringservice sowie als neue Aufgabe die Organisation von Vernissagen (Kunstcafé).
Dafür benötigen wir  

  • einen Kaffeevollautomaten für Getränkespezialtäten
  • eine professionelle Spülmaschine
  • einen Tablettwagen
  • eine Kasse mit Bedienerjournal
  • zwei Kitchenaid-Küchenmaschinen
  • ein weiteres Profi-Waffeleisen
  • den Einbau einer Bilderausstellungsvorrichtung an drei Wänden mit Beleuchtung.

 Das GSM-Moccafée wird gesponsert von:
H.D.Bartels-Stiftung, aktiv-fonds Mümmelmannsberg, Bergedorf-Bille-Stiftung.
Kooperationspartner: LMN-Life Music Now Yehudi Menuhin; Studierendenwerk, Mensa Bergedorf; Der-Hafen-Hilft! e.V.


Zur Jury des ersten Hamburger Bildungspreises gehörten: Dr. Harald Vogelsang, Vorstandssprecher der Hamburger Sparkasse, Claus Strunz, Chefredakteur Hamburger Abendblatt, Peter Daschner, Leiter des Landesinstituts für Lehrerbildung in Hamburg, Inke Neumann, Lehrerin der Johann Comenius Schule in Pinneberg, Dr. Matthias Rürup, Bildungswissenschaftler der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Professor Dr. Ute Stoltenberg, Leiterin des Instituts für Integrative Studien der Leuphana-Universität, Sabine Tesche, Redakteurin Hamburger Abendblatt
 

Letzte Aktualisierung ( Montag, 22. November 2010 )