Die dritte Phase: Die Gründung des römischen Kaiserreiches (44 v. - 410 n. Chr.)

44 v. - 14 n. Chr.: Die Herrschaftssystemfrage: Republik oder Alleinherrschaft unter der Führung von Gaius Octavius Augustus (63v. - 14 n. Chr.)

Gaius Octavius Augustus war der Großneffe von Caesar, der im Jahre 44 v. Chr. erfuhr, daß er laut Caesars Testament von ihm adoptiert wurde, und somit als einziger Nachfolger und Erbe Caesars galt, so daß er sich von nun an Julius Caesar Octavianus nannte. Nach dem Tod Caesars im Jahre 44 v. Chr., übergab der Senat die Macht an Caesars Parteingänger Antonius. Dies führte jedoch zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen dem Staats und Antonius, so daß der Senat Caesars Adoptivsohn Octavian dazu beauftragte, Caesars Heer neu aufzubauen, und ihm somit dazu die nötigen Befehlsvollmachten verlieh, um gegen Antonius vorgehen, und so im vom Bürgerkrieg zerstörten Rom den Frieden wiederherzustellen.

Bald stellte sich Octavian aber gegen den Senat und ließ sich unter Gewalteinfluß zum Konsul wählen. Im Jahre 43 v. Chr. versöhnte er sich wieder mit Antonius und bildete zusammen mit ihm und dem General Lepidus den zweiten Drei-Männer-Bund, das zweite Triumvirat.

Das Bündnis betrieb zunächst die Proskription der Caesarmörder und deren Sympathisanten und konfiszierte deren Vermögen. Unter den Opfern waren u. a. der ehemalige Konsul Cicero und die Caesarmörder Brutus und Longinus. Im Jahre 40 v. Chr. teilten die Triumvirate die Macht im Römischen Reich untereinander auf. Octavian bekam den Großteil der westlichen Provinzen, Antonius erhielt die östlichen Provinzen und Lepidus Afrika. Indem Octavian Antonius seine Schwester Octavia zur Frau gab, besiegelte er das Bündnis nochmals.

Im Jahre 31 v. Chr. zwang Octavian dann Lepidus zur Machtaufgabe. Als Antonius dann Octavia allein nach Rom zurückgeschickte und in Ägypten Kleopatra heiratete, war das Triumvirat vollkommen aufgelöst. Antonius erkannte Kleopatras Sohn Caesarion als ihren Mitregenden an und bedrohte somit Octavians Stellung als alleiniger Nachfolger und Erbe Caesars. Auf Grund dessen brach ein Krieg aus, in dem Octavian Antonius besiegte und dann Caesarion ermordete. Daraufhin nahmen sich Kleopatra und Augustus das Leben.

Im Jahre 29 v. Chr. kehrte Octavian als Alleinherrscher des Römischen Reiches nach Rom zurück. Nachdem Octavian auf diese Weise im Römischen Reich den langersehnten Frieden schuf, hatte er nun vorgehabt, eine neue Verfassungsform im Römischen Rech durchzuführen, dabei aber äußerlich jegliche Monarchie als Staatsform zu vermeiden. Daher bot er dem Senat zum Schein an, sich aus dem politischen Leben zurückzuziehen und alle Vollmachten zurückzugeben. Doch Octavian kehrte dann kurze Zeit später auf Drängen des Senats in das politische Leben zurück und begründete eine neue Herrschaftsform, die als Prinzipat "der Erste" bezeichnet wird, in der er formell als Konsul und als Oberbefehlshaber der Streitkräfte auf Lebenszeit berufen wurde. Ihm wurden zahlreiche Ämter, Vollmachten und Ehrungen zugesprochen, die ihn zum mächtigsten Mann im Staate machten: So hatte er die Oberaufsicht über die Streitkräfte, die Entscheidungsgewalt über sämtliche militärischen, politischen, religiösen und sittlichen Belange, das Recht auf die stete Wiederwahl zum Konsul und das Recht auf Vornamens- und Beinamensbenennung, wie z.B. "Vater des Vaterlandes". Zugleich verlieh ihm der Senat den Ehrennamen "Augustus" (der Erhabene), der ihn in eine göttliche Sphäre hob und dazu beitrug, daß Octavian-Augustus nach seinem Tod, als Gott verehrt wurde.

Ein Kaisertum im moderneren Sinne gab es unter der Herrschaft Octavian-Augustus nicht, sondern setzte sich aus seinen Amtsgewalten und Ehrungen zusammen. Entgegen dem äußeren Schein, einer prinzipatischen Herrschaftsform mit republikanischen Einrichtungen, war sich Octavian-Augustus seiner monarchischen Stellung bewußt, scheute sich aber davor dies zu zeigen, um den äußeren Schein einer Republik bestehen zu lassen. Nach seinem Tod im Jahre 14 n. Chr., übergab Octavian-Augustus in seinem Testament seinem Stief- und Schwiegersohn Tiberius all seine tribunizische und prokonsularische Gewalt und machte ihn damit zu seinem alleinherrschenden Nachfolger und Erben. Da Caesar keine über seine persönliche Machtstellung hinausreichende Reform der Regierung, der Verwaltung und der Gesellschaft des Römischen Reches verwirklicht hatte, begann für das römische Kaiserreich erst mit der Herrschaft von Octavian-Augustus eine Stabilisierung des römischen Staates.

Quellenangabe

dtv-Atlas zur Weltgeschichte
Karten und chronologischer Abriß

Band 1: Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution
Verfasser: Hermann Kinder, Werner Hilgemann, Harald und Ruth Buhor

(c) 1964 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
Tempora Grundriss der Geschichte
Band 1: Altertum, Mittelalter, Frühe Neuzeit
Verfasser: Volker Dotterweich, Andreas Mehl, Helmut Walther, Eberhardt Schwalm, Maria Würfel

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Fischer Weltgeschichte
Band 7: Der Aufbau des Römischen Reiches; Die Mittelmeerwelt im Altertum III
Verfasser: Pierre Grimal

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