GS Eidelstedt Lehrertheater: Die Krise und ich

Gespräch mit Spielleiterin Sybille Scholz I

Sybille, so wie ich es sehe, bist du für die Lehrer-Theatergruppe der GS Eidelstedt das, was Bertold Brecht für das Berliner Ensemble gewesen ist. Sicherlich gibt es den einen oder anderen Unterschied: Brecht hatte es mit professionellen Schauspielern zu tun, während unsere Kolleginnen und Kollegen im Hauptberuf Lehrer sind - auch wenn man während der Aufführungen nichts davon merkt. Wie entstehen die Stücke, die bisher das Publikum immer wieder begeistert haben?

Im Vorfeld einer Aufführung mache ich mir meine Gedanken, worüber man ein Stück machen könnte, und irgendwann entwickelt sich eine Idee. Wenn ich diese Idee nehme und realisieren will, dann muss ich auch einige Bilder im Kopf haben, d. h., ich muss eine Vorstellung von einzelnen Szenen haben: Wie könnte die Bühne aussehen, wie könnten die Rollen sein?

Dann schlage ich das meiner Gruppe vor, und dann beginnt die Probenarbeit oder besser: das Ausprobieren. Wie können die Bilder in meinem Kopf auf die Bühne gebracht werden?

Ich überlege mir eine oder zwei Einstiegsszenen, in denen die Schauspieler(innen) frei improvisieren, für die ich mir aber auch einen Rahmen überlege.

Ich stelle eine Szenenaufgabe, die zu dritt oder mit der halben Gruppe erprobt wird. Wir beobachten uns gegenseitig und sehen schon 'mal, was interessant ist und was sich ausbauen lässt, welche Szenen eine gute theatralische Wirktung haben. Ich notiere mir immer alles in den jeweiligen Proben - in dieser ersten Phase wird sehr viel ausprobiert.

Beim Thema Krise hatte ich zunächst an Ehekrise, Alterskrise, Sinnkrise gedacht, und wir hatten auch schon tolle Szenen herausgearbeitet, aber sie ergaben insgesamt kein Stück, das war eine Sackgasse.

Irgendwann haben wir den Schwenk geschafft in Richtung Therapie, obwohl ich da auch gewisse Befürchtungen hatte, denn wir wollen ja niemanden vorführen.

Das Stück darf nicht zu albern werden, aber es darf auch nicht so werden, dass die Zuschauer am Ende völlig fertig sind, weil der Inhalt zu bedrückend war. Eine weitere wichtige Aufgabe ist es, für jeden eine passende Rolle zu finden. Die Schauspielerin oder der Schauspieler soll sich wohl fühlen und ich überlege mir geeignete Übungen, um sie oder ihn auf die Rolle einzustimmen.

  Teil 2 des Gesprächs