GS Eidelstedt Lehrertheater: Die Krise & ich

Um welche Krise geht es?

Wer nun (voreilig) meint, dass die Bildungskrise für ein Lehrertheater genau das sein müsse, was der Volksmund ein gefundenes Fressen nennt, der kann und soll wissen, dass die theaterspielenden Kolleginnen und Kollegen unserer Schule mehr können und wollen als im eigenen Saft zu schmoren. Es geht in dem Stück Die Krise und ich nicht um die Lesefertigkeit von Grundschülern und auch nicht um die Frage, ob Zehntklässler den Dreisatz beherrschen - es geht in dem Stück weder um Schülerinnen noch um Lehrer, weder um Schule noch um Bildung.

Vielmehr werden wir an Faust erinnert und an seine Aussage: "Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein." Zugleich wird uns bewusst, dass das Menschsein wahrhaftig keine leichte Angelegenheit ist. Noch schwieriger ist es wahrscheinlich, Mensch zu bleiben. Tatsächlich kann diese Aussage ein Schlüssel sein, um zu einem tieferen Verständnis des Dramas zu gelangen, denn es ist diesmal wahrlich keine leichte Kost, die uns das Lehrertheater der Gesamtschule Eidelstedt serviert. Dazu tragen nicht zuletzt die Texte von Sybille Berg bei, deren Texte nicht gerade von Comedians (das sind die lustigen Leute, die noch vornehmlich im Privatfernsehen erbärmliche Witze zum Besten geben) verbreitet werden.

Nun, da die Premiere hinter uns liegt, darf es laut gesagt werden: Die Krise und ich ist nicht nur eine Herausforderung an die Schauspieler, sondern auch eine Herausforderung an das Publikum. Diese Herausforderung hat das Eidelstedter Publikum mit Bravour bestanden - die großartigen Schauspieler, ihre Spielleiterin und nicht zuletzt der Beleuchter wurden am Ende mit Beifall und Bravorufen überschüttet.

Wer dabei gewesen ist, wird die Einschätzung nachvollziehen können, dass wir eine Sternstunde im Kulturleben unserer Schule erlebt haben. Unsere theaterspielenden Kolleginnen und Kollegen haben uns wieder einmal Geistesfreuden beschert, wie sie in großen Häusern nicht besser dargeboten werden können.

Werfen wir einen Blick auf die handelnden Personen - acht plus zwei Schicksale warten auf uns...

Bevor die einzelnen Personen vorgestellt werden, soll eine Frage offen angesprochen werden, die mich einige Zeit beschäftigt hat: Handelt es sich bei den dargestellten Verhaltensweisen um Krisen oder um Krankheiten? Wenn das Theaterstück nicht in einem Sanatorium spielte, dann bestünde für die Charaktere wohl wenig Hoffnung. Aber sie haben sich in die Obhut von Herrn Dr. Renz und Frau Prof. Dürkheim-Achterberg begeben; und wir dürfen hoffen, dass sie damit an einem entscheidenden Wendepunkt in ihrem Leben angekommen sind.


Beeindruckend Christoph Borr als Karsten, der seine Rolle als zeitgenössischer Frankenstein interpretierte. Ein liebenswerter Kollege als gefühlskaltes Monstrum, das seine einzigen Freuden im Kaufrausch findet.
Inhaltsverzeichnis Angelika