Terminal Server Teste

Was ist alte Hardware?

Einstieg

Die Chance, alte Hardware länger einsetzen zu können und den administrativen Aufwand zu minimieren, sind verlockende Gründe, sich dem Terminal Server zu widmen. Zwischen ersten Erfahrungen und näheren Untersuchungen bestehen manchmal gravierende Unterschiede, deren Gründe es näher zu betrachten lohnte. Daraus ergaben sich einige Kriterien für "alte Hardware".

Aktueller Anlass

Unbekümmert hatte ich zum Test wirklich alte 386er (8 MB)-Rechner gegriffen, weil von den Geschenken noch einige übrig waren und rumstanden. Acht Rechner dieser Serie laufen im täglichen Einsatz unter Novell liefen – allerdings langsam. Die erste Begegnung mit dem Terminal Server entwickelte sich zu einer Katastrophe. Voreilige Schlüsse wurden allerorts gezogen. Aber die Frage: Warum? blieb, erhaltene Patentantworten ignorierend.

Testumgebung

Ich habe einen kleinen Spleen und lasse immer mal das Spiel "Freecell" laufen, um einen Eindruck von der Geschwindigkeit der Maschine zu erlangen. Dieses Spiel wurde die Grundlage für einen Geschwindigkeitsvergleich von verschiedener Hardware und unterschiedlichen Clients (Windows für Workgroups und Windows 95). Das Spiel "Freecell" ist keine typische Anwendung für den Terminal Server; es verlangt ein großes Maß an Ressourcen, weil der Bildschirm ständig neu aufgebaut werden muss; es reicht bereits in den Bereich Multimedia hinein. Trotzdem erfolgte die Wahl dieses Spieles als Grundlage für den Test,

Ziel des Vergleichs war die Feststellung eines unterschiedlichen Zeitverhaltens, nicht die Feststellung, wie lange diese Anwendung braucht. Ein Programm "Word" braucht eine erheblich geringe Zeit zum Bildschirmaufbau; aber dennoch unterscheiden sich auch Windows für Workgroup und Windows 95. Außerdem wurde nur ein Client an den Rechner gehängt, Änderungen im Zeitverhalten bei mehreren Clients sind zu erwarten.

Ausstattung

Terminal Server
Asus P2BS-Dual 350 MHZ Pentium II, 256 MB RAM, 9 GB SCSI-Wide Platte als Server (nicht PDC) im 10Mbit

Netz Client
486-133MHZ, 32 MB mit ISA-, VLB- und PCI-Slot.

Versuchsreihe

Es wurden verschiedene Grafikkarten (ISA, VLB und PCI) unter Windows für Workgroup und Windows 95 mit verschiedenen Treibern ausprobiert. Es wurde versucht alle Messreihen mit der Auflösung von 640x480 und 256 Farben zu fahren. Manchmal klappte das mit den Treibern nicht so richtig. Diese Tatsache hat aber auf das Gesamtergebnis keinen nennenswerten Einfluss. Es wurden die zur damaligen Zeit gängigen Grafikkarten verwendet: Trident 8900, Trident 9000, OAK 077, OAK 087, Tseng ET4000, Cirrus, Chips & Technology, S3 und ATI Rage.

Start und Ende

"Freecell" startete ein neues Spiel (F2) und wurde sofort mit der Tastenkombination <Strg-Shift-F10> und der Bestätigung <Abbrechen> beendet.

Ein Doppelklick auf eine Karte führt zum Einsammeln aller Karten auf dem Stock und endet mit der Frage nach einem erneuten Spielchen. Die Zeit vom Doppelklick bis zum Erscheinen der Abfrage ist die Messstrecke.

Start

Ende

frecel3.gif (2632 Byte)

 

Ergebnisse

Das Ausführen dieser Aktion auf dem Terminal Server selbst ist derart rasend schnell, daß ich es nicht messen konnte (ca. 0,2 sec).

Windows für Workgroups

Die ISA-Karten benötigten zwischen ca. 10 und 14 sec zur Darstellung des Ablaufes, wobei der Universaltreiber von Windows meist um 1 – 3 Sekunden schneller war als der enthaltene Treiber zur Karte. (Anmerkung: Es gibt für die älteren Karten keine speziellen Treiber mehr, sondern man ist meistens auf die Beilagen zu Windows für Workgroup angewiesen. Diese gelten meistens für eine ganze Reihe von Chips dieses Herstellers.)

Die VLB Karte ELSA WINNER 1000Pro schaffte die Anwendung mit eigenem Treiber in 7,1 sec. Allgemeine Windows-Treiber gab es nicht, eine ATI Rage konnte wegen Treibermangels nicht zum Laufen gebracht werden.

Windows 95

Mit allen Karten wurde das Spiel über den Terminal Server gefahren und zum Vergleich ebenfalls lokal auf dem Client gespielt.

Lokal benötigten die Trident-Karten, die Tseng-Karte und die Oak-Karten zwischen 4 und 7 Sekunden; als Client über den Terminal Server nur zwischen 3,7 und 4,5 Sekunden, wobei hier die angepaßten Kartentreiber der Hersteller oftmals noch einen Tick schneller waren als windowseigene. Bummelanten waren die Cirrus- und Chips & Technology-Karte, die mit Windows 95 nicht so zurecht kamen. Sie waren sogar langsamer als bei Windows für Workgroups zwischen 10 – 16 Sekunden.

Die VLB-Karte lief nur gut mit den eigenen Treibern. Lokal 2,0 Sekunden, als Client 3,1 Sekunden.

Die PCI-Karte ATI Rage brachte es lokal auf 0,6 sec. und als Client auf 3,0 sec.

Fazit

Ein Flaschenhals beim Terminal Server ist die lokale Grafikkarte. Dies ist auch verständlich, da der Bildschirmaufbau ab einem bestimmten Punkt allein Sache des Clients ist. Der Datentransfer vom Terminal Server betrug in unserem Beispiel wohl ca.2 - 3 Sekunden, die Zeiten darüber waren allein von der lokalen Grafikkarte zu verantworten. Der Bildschirmaufbau unter Windows 95 ist dabei erheblich zügiger als der unter Windows für Workgroups. Vielleicht ein Entscheidungskriterium.

 

Weitere Ergebnisse

Anmeldeprozeß

Der Anmeldeprozeß unter Windows für Workgroups dauert ungefähr 1 Sekunde unter Windows 95 fast 2 Minuten. (Konfigurationsproblem?)

Allgemeine Grafikdarstellung unter dem Terminal Server

Der Terminal Server stellt verschiedenen Bildschirmauflösungen zur Verfügung allerdings nur mit einer Farbanzahl bis zu 256 Farben. Bessere Farbwerte würden den Netzverkehr drastisch in die Höhe treiben.

10Mbit – 100Mbit Netz

Nach Berichten aus Newsgroups ist erst ab 50 Clients mit merklich längeren Zugriffszeiten zu rechnen. Es lohnt sich wohl nicht teure 100Mbit-ISA-Netzwerkkarten für die alten Rechner zu kaufen.

 

 

... und nun das Warum?

Bei meinem ersten Versuch benutzte ich einen NCR-Rechner mit integrierten Grafikchip von NCR. Unter Windows für Workgroups benötigte er mit dem allgemeinen Windows-VGA-Treiber in der Testumgebung fast 3 Minuten für den Bildschirmaufbau. Mit einem speziell angepassten Windows-Treiber (ca. 10 Jahre alt, gibt es noch im Internet) konnte ich die Zeit auf "rasante" 2 Minuten senken.

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Stand: Januar 1999