Recherche mit Encarta

Die Verwendung des Encarta-Recherche-Assistenten (Encarta 2001 Plus) im Geschichtsunterricht

Ich möchte hier an einem Beispiel aufzeigen, wie sich der Encarta-Recherche-Assistent im Rahmen einer eigenständigen Recherche im Fach Geschichte einsetzen lässt.

Als Beispiel wähle ich eine Recherche zum Thema Kolonialismus: Im Rahmen des Geschichtsunterrichts der neunten Klasse soll das Thema "Imperialismus" behandelt werden. Da es recht wahrscheinlich ist, dass die Schüler weitestgehend vergessen haben, was sie anlässlich des Themas "Entdeckungsreisen" gelernt haben, sollen sie arbeitsteilig mit Hilfe von Encarta recherchieren, wie die großen Kolonialimperien entstanden und wieder zerbrochen sind, um, davon ausgehend, sich über die zweite Welle des Imperialismus im 19. Jahrhundert zu informieren.

Es wird hier beispielhaft aufgezeigt, wie die Schüler, bevor sie mit ihrer eigenständigen Recherche zu einem eingeschränkten Thema (Beispielsweise: Das französische Kolonialreich im 19. / 20. Jahrhundert)  in die Arbeit mit dem Recherche-Assistenten eingewiesen werden können.

Der Recherche-Assistent

Er wird entweder direkt über Start, Programme, Microsoft Encarta, Encarta Recherche-Assistent aufgerufen:

oder von Encarta aus, nachdem man einen Begriff eingegeben hat. Wenn man aus dem entsprechenden Artikel  markierte Passagen weiterverwenden möchte, folgt man dem Weg: Optionen, Zum Recherche-Assistenten hinzufügen: 

Aber diese zweite Methode wird man wohl erst nutzen, wenn ein Projekt schon angelegt ist, das nur erweitert werden soll.

Zunächst sollte man genauer schauen, was der Assistent leistet. Auf der Startseite erfährt man mehr, indem man die Schaltfläche Erste Schritte aktiviert:

Mit Hilfe des Assistenten kann man Dokumente (Texte, Bilder, Quellen) aus Encarta oder aus dem Internet suchen, sammeln, sortieren , um dann ein Referat in Word oder Frontpage auf der Grundlage der Recherche zu schreiben:

Dabei findet man in der Hilfe die nötige Unterstützung, um das Referat entsprechend der Kunst zu gestalten:

Die Schüler sollten erst allmählich diese komplexeren Funktionalitäten entdecken, so dass ich im Rahmen dieser Einführung nicht weiter darauf eingehen werde.

Ich möchte nur einen Punkt erwähnen: Es muss von Anfang an den Schülern klar sein, dass einige aus Encarta oder dem Internet "geborgten" Seiten noch lange keine Leistung darstellen. Erst die eigene Bearbeitung und Neuorganisation des verarbeiteten Materials stellt eine Leistung dar. Dabei ist darauf zu achten, dass die Schüler ihre Quellen immer und genau angeben ("Internet" oder "Encarta" reicht nicht aus!). Der Lehrer hat durch die Vorgabe der Art der Präsentation dafür zu sorgen, dass diese eigene Leistung deutlich wird. Ich persönlich bestehe darauf, dass die Präsentation auf der Grundlage von Notizen (maximal eine Seite) mündlich in freier Rede zu erfolgen hat. Dadurch wird der Grad der "Verarbeitung" sehr schnell deutlich. Ich mache darüber hinaus im Vorfeld klar, dass ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Schülerduktus vom Duktus eines von Spezialisten verfassten Textes unterscheiden kann und trete notfalls den Beweis an.

Hier berühren wir einen der schwierigsten Punkte des Umgangs mit den "Neuen Medien": Gerade die Fülle der Informationen erschlägt oft die Schüler und erschwert ihnen die selbstständige Verarbeitung der gewonnenen Informationen. In der Auswahl und Neuorganisation derselben liegt die Kunst, die wir zu lehren haben.

Ein wenig Praxis: Thema Kolonialismus

Das Anlegen eines neuen Projekts

Der Assistent arbeitet im Browser. Mit Ansicht, Explorerleiste, Encarta Recherche-Assistent sorge ich dafür, dass mir das Projekt-Fenster links im zweigeteilten Browserfenster angezeigt wird. Dann klicke ich auf  Projekt, Neues Projekt. Ich durchlaufe also folgenden Weg:

Ich kann also das neue Projekt namens "Imperialismus.erp" anlegen und speichern:

Das neue Projekt erscheint nun als "nackter Stamm" im linken Browserfenster:

Der schwierige Schritte: Recherchestrategie

An der Stelle entscheidet der Lehrer, ob er schon Stichwörter gibt, damit die Schüler wissen, wo sie anfangen wollen. Der Auftrag kann aber auch lauten, mit Hilfe des Projektnamens selbst die Stichwörter herauszufinden.

In diesem Falle gibt der Schüler in Encarta das Stichwort "Kolonialismus" ein und sucht im angebotenen Artikel nach seiner Meinung nach bedeutenden Stichwörtern. Wir wollen diese Strategie verfolgen, um zu überprüfen, ob sich eine Recherche gewissermaßen selbst "trägt":

EXKURS: ARBEIT MIT FILTERN:

Auch wenn es klar ist, dass ich als Schüler einfach mit dem Artikel "Kolonialismus" anfangen sollte, besteht die Gefahr, dass ich durch die Vielzahl der Artikeln, in denen das Wort "Kolonialismus" auftaucht, eingeschüchtert werde. In diesem Falle habe ich die Möglichkeit, mit Hilfe von Filtern die Suche einzuengen:

Wenn ich die Filter Wissensgebiet: "Geschichte", Sachgebiet: "Zentral- und Südamerika",  Ort / Staaten /  "Brasilien", Zeit: zwischen 1500 und 1980 nach Ch. setze, sieht es viel besser aus: ich habe nur noch 10 Treffer!

ERGEBNIS DER SUCHE MIT HILFE VON FILTERN:

Aber bleiben wir bescheiden und fangen wir mit "Kolonialismus" an.

Es erscheint folgender Bildschirm:

Ich klicke auf  1 EINLEITUNG, markieren diese Einleitung...

....und klicke auf Optionen und auf den Menüpunkt Zum Recherche-Assistenten hinzufügen

Da ich das neue Projekt "Kolonialismus" schon angelegt habe, kann ich auf OK klicken, um diese Einleitung aus Encarta in das Projekt einzufügen.

Der Browser öffnet sich, wobei die Struktur der bisher gespeicherten Dokumente im linken Fenster erscheint, während ich rechts das gerade aktive Dokument sehen kann, das ich bearbeiten kann, indem ich auf die Schaltfläche Bearbeiten doppelklicke:

Ich kann sowohl die Quellenangabe, falls sie nicht korrekt angegeben wird, oder die so genannte "Notiz", die zunächst das Originaltext aus Encarta ist.

Aber da wir noch beim "Suchen und Sammeln" sind, will ich an den Originaltexten nichts ändern.

Wie erwartet liefert mir der Artikel "Kolonialismus" genug Stichwörter, um meine Recherche sinnvoll weiter zu führen, indem ich z. B. den Begriff "Imperialismus" anklicke, dann die Name der Länder, die Kolonialmacht waren, weiter in meiner Recherche die Namen der Erdregionen, die Opfer des Kolonialismus wurden etc...

Strukturierung der "Notizen": Gliederung

Es ist dann ein Leichtes, aus dieser Ansammlung von ungeordneten Dokumenten, durch Anlegen einer Struktur, die ich mit Hilfe von Abschnitten, die ich neu generiere (1) (Rechtsklick im freien Bereich des linken Fensters) und benenne(2) (Rechtsklick, wenn die Maus auf dem neuen Abschnitt zeigt), die verschiedenen Dokumente zu organisieren. Ich kann mit der gleichen Prozedur auch eine Notiz oder einen Abschnitt löschen(3):

1. Neuer Abschnitt ( oder neue Notiz) generieren

2. Neuer Abschnitt / neue Notiz (um)benennen

3. Neuer Abschnitt / neue Notiz löschen

Am Ende der Recherche könnte vielleicht folgende "Sammlung" stehen, die ich hier exemplarisch in aller Schnelle zusammengestellt habe:

Da ich kein Lehrwerk schreiben will, sondern nur eine "Gebrauchsanweisung, möchte ich hier nicht eruieren, wie die Schüler mit dieser Materialsammlung sinnvoll weiterarbeiten sollen.

Eine Möglichkeit wäre, dass jeder Schüler einen Exzerpt aus einem Subthema anfertigt und auf dieser Grundlage einen Kurzvortrag hält.

Jede Datei kann auch in  WORDweiter bearbeitet werden. Allerdings möchte ich in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam machen, dass WORD über eine sehr praktische, aber für Schüler "gefährliche" Funktion verfügt, nämlich die Funktion  AutoZusammenfassen im Menü Extras. Mit dieser Funktion kann man in der Tat einen Text automatisch zusammenfassen lassen und sogar bestimmen, wie lang die Zusammenfassung sein darf. Das ist zwar praktisch, um das Wesentliche schnell zur Kenntnis zu nehmen, aber auch gefährlich, denn die "Denkleistung" bei der Auswahl des Wichtigsten ist. wirklich gleich Null.

Internetseiten in das Projekt integrieren

Ich kann auch mein Projekt durch eine Internet-Suche ergänzen, vorausgesetzt, ich befinde mich online. Um diese Suche zu starten, klicke ich auf Startseite im oberen linken Teil des Browsers und dann auf Suchen

Die Microsoft-Suchmaschine öffnet sich, ich klicke Erweiterte Suche  und gebe als Suchbegriff  "Deutsche Kolonien" ein. Darüber hinaus kann ich noch einige andere Suchkriterien angeben. Zum Beispiel: Nur deutsche Seiten

 

Fünfzig Treffen sind zwar etwas viel, aber der Treffer 22 scheint vielversprechend. Also: Doppelklick darauf.

Diese Seite ist in der Tat für die Schule recht interessant, so dass ich sie eventuell  zu den Favoriten hinzufügen könnte (Favoriten --> Zu den Favoriten hinzufügen).

Auf der Seite finde ich mein Thema: Deutsche Kolonien. Also: Doppelklick:

Es ist zwar nicht genau, was ich suchte, da es nur um die afrikanischen Kolonien geht, aber zur Vertiefung dieser Frage sehr schön. Ich kann also die Seite speichern oder aber direkt in das Projekt einfügen:

Dafür Klicke ich im linken Fenster auf Zum Recherche-Assistenten hinzufügen, während ich noch online bin . Der Vorteil dieser Methode ist, dass die Quellenangabe, die automatisch generiert wird, die gerade gewählte Internetadresse sein wird und nicht irgendein Verzeichnis auf meiner Festplatte. Dann werde ich gefragt, wo die Datei abgelegt werden soll. Ich kann einen Ordner "Deutschland" anlegen, der direkt unter die Rubrik "Kolonialmächte" platziert wird (durch Verschieben). Im Ordner Deutschland kann wiederum diese neue Datei "Die großen Aufstände" gespeichert werden (oder markierte Teile davon)

Et voilà!

Schlussbemerkung

Bei dieser Anleitung handelt es sich um ein Instrument zum Erlernen einer Form des selbstständigen Arbeitens. Die Umsetzung bedarf noch einer genauen didaktischen Begleitung, die folgende Gesichtspunkte berücksichtigen sollte:

 

Jegliche kommerzielle Nutzung außerhalb von Schulen nur mit Genehmigung des Autors. Copyright © 1996-2002   Francois Théry
Stand: Januar 2001