Initiative für eine

Professionalisierung der

pädagogischen und technischen Netzwerkbetreuung

an Hamburger Schulen

- PROFSYS -

 

des Arbeitskreises "Netzwerkeinsatz im Unterricht an beruflichen Schulen"

und

des Arbeitskreises "Windows NT"

am Institut für Lehrerfortbildung Hamburg

 

Hamburg, 1998-04-28

 

verantwortlich:

Michael Weigt, Astrid-Lindgren-Schule(Förderschule) mwei@als.hh.schule.de

Peter Weging, Handelsschule Schlankreye (H 3) pweging@h3.hh.schule.de

Wolfgang Bock, Handelsschule Berliner Tor (H 18) bock@hbt.hh.schule.de

Edgar Landsiedel, Gewerbeschule (G 18) eddy@hh.schule.de

 

aktuelle Informationen / dieses Papier: http://www.hh.schule.de/h18/profsys/

 

Kontakt über: profsys@hbt.hh.schule.de

 

1. Allgemeiner Trend

 

Durch die bundesweite Initiative "Schulen ans Netz" und Intranet-Initiative "Hamburger Schulen ans Netz" mit der jetzt laufenden Bereitstellung von Internet/Intranet-Servern für Hamburger Schulen sind zu den bestehenden Netzwerken in den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen weitere Komponenten hinzugekommen. Ferner ist die Aufgabe entstanden, die bestehenden Netze für einen Internetzugang bereit zu machen. Schulen, die noch keine Netzwerke haben, sind durch die Initiative "Hamburger Schulen ans Netz" dabei, Netzwerke aufzubauen und die Kommunikationsserver in diese Netze zu integrieren.

 

Diese Entwicklung geht einher mit der technischen Entwicklung im Bereich der Informationsverarbeitung in Unternehmen und Verwaltungen, die auch vor den Schulen nicht halt macht. Die Ressource "Information" hat in den hochentwickelten Industriestaaten eine immer wichtigere Rolle eingenommen. Für den Standort Hamburg ist ein hohes Niveau der Ausbildung an den allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen von außerordentlicher Bedeutung. Die Handelskammer Hamburg fordert, daß die Schülerinnen und Schüler "für die Herausforderung des Technologietranfers und der globalen Vernetzung sensibilisiert werden" müßten (Hamburger Abendblatt vom 98-03-24). "Heute ist es die Mikroelektronik, die als Querschnittstechnologie alle Lebensbereiche, die privaten wie die beruflichen, umkrempelt" (Süddeutsche Zeitung, 98-03-14/15). Schließlich stellt der Sektor der Informationstechnik einen Arbeitsmarktbereich in unserer Volkswirtschaft dar, in dem ein überdurchschnittliches Wachstum von Beschäftigung zu verzeichnen und zukünftig zu erwarten ist.

 

Schülerinnen und Schüler müssen sich deshalb frühzeitig mit Kommunikationstechnologien und ihren Auswirkungen auf den Einzelnen und die Gesellschaft auseinandersetzen. Die allgemeinbildenden und beruflichen Schulen müssen mit all ihren sachlichen, organisatorischen und pädagogischen Ressourcen darauf hinwirken, daß den Heranwachsenden die dafür notwendigen Qualifikationen vermittelt und sie auf den Wandel von der Industrie- zur Informationsgesellschaft vorbereitet werden. Eine moderne und zukunftsorientierte Didaktik wird nur in einer vernetzten Umgebung möglich sein.

 

Der bisherige EDV- bzw. Informatikunterricht an den Schulen mußte sich darauf einstellen. Er hat sich entsprechend verändert. Neben der Ausstattung der Schulen mit Räumen für die Schulung an Geräten und in der Anwendung von Standard- und Branchensoftware ist bei einigen Schulen eine Vernetzung fast aller Unterrichtsräume getreten, die das schulische Netzwerk über die Bereitstellung von Daten, z. B. über CD-ROM-Server oder eine Internet-Anbindung, zu einem wichtigen und selbstverständlichen Informationsmedium und Arbeitsmittel macht.

 

 

2. Bedeutung der Vernetzung für die Schulen

 

Mit der veränderten Ausstattung ergibt sich zugleich ein Auftrag an die Schulen, ihre Leitungen und die Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung sich vorausschauend Gedanken darüber zu machen, daß die bereitgestellte Technik genauso störungsfrei arbeitet wie z. B. die Heizung, das Telefon oder der Kopierer einer Schule.

 

 

3. Problemsituation für Netzbetreuer

 

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, daß es unrealistisch ist, die Wartung und Betreuung der Systeme, der Netze und der Hardware allein in die Hand von Lehrerinnen und Lehrern zu legen, deren Hauptaufgabe bekanntlich das Unterrichten ist. Für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen ist diese Entwicklung unbefriedigend, weil durch zunehmende Probleme, die sich aus den komplizierter werdenden Netzwerken ergeben, immer mehr Zeit gebunden wird:

Unterricht wird für sie zur Nebensache und führt zu Frustrationen bei den Netzwerkbetreuer/innen, ihren Kolleginnen und Kollegen sowie Schülerinnen und Schülern.

 

 

 

4. Vergleich: Netzwerke in der Schule - Netzwerke in Firmen

 

Schulische Netzwerke unterscheiden sich grundlegend von Netzwerken in Unternehmen und Verwaltungen. Folgende Tabelle verdeutlicht dies:

 

Netzwerke

in Unternehmen und Verwaltungen

 

Netzwerke

in Schulen

Netzwerkpflege und -Betreuung durch hauptamtliche Systembetreuer, bei 25 Arbeitsstationen ca. 1 SystembetreuerIn

Systembetreuung wird von LehrerInnen "nebenbei" durchgeführt.

Relativ konstante Useranzahl pro Workstation

Mehrere User arbeiten an einer Workstation

Userverwaltung ist über einen längeren Zeitraum konstant

Verwaltung von mehreren hundert SchülerInnen, die z. T. halbjährlich, oder in den Berufsschulen von Block zu Block wechseln

Begrenzte und überschaubare Anzahl von Applikationen

(z. B. nur Auto-CAD oder nur KHK-Office Line als Buchhaltungsprogramm)

Eine Vielzahl von Applikationen. Neben Standardsoftware wird z. B. an den Berufsschulen spezielle Branchensoftware benutzt

feste rechnerbezogen konfigurierte Software.

Nicht kooperativ einsetzbare Software wird auf getrennten Rechnern installiert

Mit den Unterrichtsstunden wechselnde Software. Diese Software ist nur zum Teil kooperativ mit anderen Programmen einsetzbar. Teilweise soll Software eingesetzt werden, die nicht netzwerkfähig programmiert wurde (z. B. Branchensoftware)

i. d. R. statische Betriebsumgebung

("User X wendet immer nur Programm Y an")

Häufig wechselnde Betriebsumgebung, sie muß entsprechend den Ausbildungsbedürfnissen angepaßt werden (Branchensoftware/Internet)

i. d. R. statische Zuordnung User - Workstation

("User X arbeitet immer an Station Y")

Dynamische Zuordnung User-Workstation. (Die SchülerInnen erhalten an jeder Station ihre eigene Betriebsumgebung)

Standard-Datenbearbeitung

 

Diverse Datenbearbeitungsmöglichkeiten. (einzeln, gemeinsam, in Projekten)

User greift immer auf einen bestimmten Datenbestand zu

Der Zugriff soll je nach pädagogischen Erfordernissen auf unterschiedliche Datenbestände möglich sein, teilweise sollen Bestände vorübergehend gesperrt sein

Persönlicher Computer, jeder User ist bemüht "seinen" PC und "seine" Anwendungen fehlerfrei zu halten, ihm sind die Konsequenzen von Fehlern bewußt. Er wird aus eigenem Interesse diese vermeiden.

Anonymer Computer mit "Wundertüten-Effekt": jeder User hinterläßt Spuren: Die Motivation zum "Hacken" ist umso größer, je größer die Restriktionen sind. Netzwerkadministratoren sind bemüht, das System "dicht" zu machen, weil die Restauration eines "laufenden" Systems sehr arbeitsaufwendig ist.

Lokale Installation der Anwendungen wo notwendig.

Serverbasierte Installation bedeutet hohe Netzlast beim Booten der Clients und der Anwendungen, ist eigentlich zwingend, um Stabilität und Flexibilität der angebotenen Software an den Arbeitsstationen zu gewährleisten.

Anwender werden zunächst auf speziellen Geräten geschult und arbeiten erst dann an "ihren" Geräten

Schülerinnen und Schüler werden an den Geräten ausgebildet, an denen sie auch später arbeiten

 

 

5. Aufgaben für Netzwerk-/Systembetreuer an Schulen

 

Aus den Anforderungen an ein schulisches Netzwerk leiten sich die Aufgaben an die Systembetreuung ab. Sie können in eine technische und eine pädagogisch-organisatorische Komponente unterschieden werden.

 

5.1 Geräte- und software-technische Systembetreuung

 

Zu den Aufgaben der technischen Systembetreuung gehören folgende Arbeiten:

 

Einbau und Installation neuer Hardwarekomponenten.

Installation neuer Programme und Programmversionen nach Vorgabe der pädagogisch-organisatorischen Systembetreuung.

Einspielen von Updates.

Erledigung aller Reparaturen.

Regelmäßige Überprüfung des Systems (Funktionstests von Software, Druckern; Datendurchsatz bei Last, Kapazitätsgrenzen).

Regelmäßige Wartung des Systems (Löschen nicht mehr benötigter Dateien von gelöschten Usern ...).

Behebung von Systemausfall = Notdienst (innerhalb von maximal 24 Stunden).

Backup-Maßnahmen nach Planungsvorgabe der pädagogisch-organisatorischen Systembetreuung.

 

5.2 Technisch-organisatorische Systembetreuung

 

Die technisch-organisatorische Systembetreuung ist gemeinsame Aufgabe von Schule und Technikbetreuung. Sie umfaßt alle Aufgaben, die unmittelbar die Unterrichtsbereitschaft des Netzwerkes herstellen und sichern:

 

Planung der Beschaffung von Hard- und Software, Netzwerkplanung; Formulierung von Ausschreibungstexten.

Beschaffung von Verbrauchsmaterial (Disketten, Toner, ...).

Planung von Backupstrategien, Überwachung der regelmäßigen Sicherung der Programme und Datenbestände.

Regelmäßige Überprüfung der Programme und Datenbestände auf Softwaremanipulation (z. B. Viren).

kurzfristige Behebung von Problemen, die durch unsachgemäße Handhabung von Hard- und Software entstanden sind; sofern dies möglich ist.

Inventarisierung von Hard- und Software; Softwareverwaltung (sichere Aufbewahrung der Datenträger, Lizensierung).

Einrichtung von Usern und Usergruppen.

Verteilung der Zugriffsrechte auf Ressourcen (Verzeichnisse, Drucker, Internet-Zugriff, ...).

Erfassung und Weiterleitung von Fehlern und Mängeln an Hard- und Software an die technische Systembetreuung und deren Überwachung.

Planung und Organisation von Strategien, um Hackerangriffe von innen und ggf. von außen abzuwehren (Firewalls).

Sichtung entsprechender Mailinglisten für das jeweilige Netzwerkbetriebssystem, um auf aktuelle Probleme zu reagieren, die sich aus Hackerangriffen ergeben.

Installation von Hotfixes.

 

5.3 Lern-organisatorische Systembetreuung

 

Die lern-organisatorische Systembetreuung ist Aufgabe der Schule. Sie umfaßt alle Aufgaben, die die lernorganisatorische Nutzung des Netzwerkes im Unterricht herstellen und sichern:

 

Feststellung des Bedarfs an Unterrichtsmitteln.

Erfassung und Weiterleitung von Fehlern und Mängeln an Hard- und Software an die technische Systembetreuung und deren Überwachung.

Informationsbeschaffung (Handbücher und Informationsmaterial).

Hilfen bei der Erstellung von Unterrichtsmaterial.

Beratung der betroffenen LehrerInnen. Anleitung unterrichtsbegleitend, die erfahrungsgemäß in den Pausen sowie vor dem geplanten und nach dem durchgeführten Unterricht abläuft.

Schulinterne Fortbildung für Kolleginnen und Kollegen im Umgang mit dem Netz, dem Internet.

Planung und Aufsicht des schulischen Intranets und den Zugang zum Internet (Wer bekommt einen E Mail Account?; Welche Newsgroups werden abonniert? Welche WWW-Seiten sollen ggfls. für Schülerinnen und Schüler gesperrt werden? Welche FTP-Zugänge sollen ermöglicht werden?

Überwachung der Kommunikationskosten der Schule.

Plazierung der schulischen HTML-Seiten auf dem entsprechenden Webserver, ggf. Sicherstellen eines einheitlichen Designs der schulischen Webseiten, Überprüfen der angegebenen Links, Aktualisierung der Seiten.

Planung und Organisation von Strategien, um Hackerangriffe von innen und ggf. von außen abzuwehren (Firewalls).

 

 

6. Bewertung der Netzbetreuer-Arbeit

 

Die unterrichtsbegleitende Anleitung sichert die Akzeptanz des Systems und verhindert Fehlinvestitionen, weil das eingesetzte Kapital für die Beschaffung von Hard- und Software nicht ungenutzt innerhalb kürzester Zeit veraltet.

 

Aus den vorangegangenen Beschreibungen der Netzwerke in Schulen und den Aufgaben der Systembetreuung (gerätetechnisch, lernorganisatorisch) ergibt sich, daß die Systemverwalterarbeiten für Netzbetreuer nicht mehr nebenbei oder nur mit 2 bis 4 Entlastungsstunden pro Woche zu bewältigen ist.

Begründung:

Der grundlegende Aufwand (Schulung und Weiterbildung der/des Betreuer/s, Systempflege bezüglich Netzbetriebssystem und der einzurichtenden Software) ist unabhängig von der Netzgröße hoch.

Die hierfür nötigen Grund- und Detailkenntnisse der Hard- und Software-Elemente müssen erworben und ständig aktualisiert werden, da sowohl die Hard- als auch die Software ständig weiterentwickelt werden.

Die zunehmende Integration macht das System immer komplexer und instabiler.

Die zunehmende Nutzung des Systems in voller Breite des Angebots erfordern eine lückenlose Verfügbarkeit.

Das kann von einer Person, die alles abdecken soll, nicht mehr geleistet werden - schon gar nicht zusätzlich zum normalen Unterricht.

 

 

7. Lösungsvorschläge

 

7.1 Personen

 

Wir sind der Auffassung, daß die technische Systembetreuung in die Hände von Technikern gelegt werden kann. Diese sollten die technisch-organisatorische Systembetreuung übernehmen, um die Geräte- und Software-Funktionalität sicherzustellen.

 

Für die pädagogisch-organisatorische Systembetreuung muß eine weitere Person zuständig sein, die als lernorganisatorische/r Systembetreuer/in bezeichnet werden kann. Diese Person sollte Mitglied des Lehrerkollegiums der Schule sein. In enger Zusammenarbeit mit dem Techniker sollte der lernorganisatorische Systembetreuer dafür sorgen, daß immer ein Systembetreuer verfügbar ist und bei Problemen und Fragen während des Unterrichts oder zur Vor- und Nachbereitung des Unterrichts erreichbar ist.

 

Wir empfehlen aufgrund unserer praktischen Erfahrung aus mehr als 10 Jahren Tätigkeit im EDV-Bereich, daß für etwa 50 Computerarbeitsplätze und 1 bis 3 Server

ein Vollzeit-Techniker (für Geräte- und Software-Systembetreuung) und

eine halbe Lehrkraft mit weiterreichender Entscheidungskompetenz (für lernorganisatorische Systembetreuung und zur Ergänzung der technischen Systembetreuung)

eingesetzt werden.

 

Da die Ausstattung der Schulen sehr verschieden ist, kann dieses nur ein Richtwert sein.

 

Mehrere Variationen sind denkbar:

Schulen, die mehr Computerplätze haben, benötigen weitere Techniker-Kapazitäten.

Benachbarte Schulen, die weniger Computerarbeitsplätze haben, schließen sich zusammen und teilen sich einen Techniker. Dieser könnte seinen Sitz an einer Schule haben, die bereits über einen Techniker verfügt.

 

Zur Finanzierung der Techniker muß bedacht werden, daß es sich um keine einfache Laborantentätigkeit handelt. Nur bei realistischer Bezahlung kann eine fähige Person dauerhaft beschäftigt werden. Es kann nicht sinnvoll sein, interessierte und engagierte Schüler hierfür einzusetzen oder Personen billig einzustellen, die erst "von Null" eingearbeitet werden müssen, und, wenn sie eingearbeitet sind, in die "Freie Wirtschaft" gehen, weil sie dort erheblich besser verdienen.

 

Es sollte überlegt werden, wie z.B. durch Umwandlung von Fachraumstunden ein finanzieller Pool geschaffen werden kann, um den Techniker zu bezahlen.

 

Bei der Überlegung, geeignete Software-Firmen damit zu beauftreagen, mußten wir feststellen, daß fast alle Firmen nicht mit den besonderen Problemen der Schule vertraut sind. Zudem sind die Anforderungen der Schulen höher und die Zahlungsbereitschaft für Zusatzleistungen geringer als bei Betrieben.

 

 

7.2 Software

 

Die individuellen Bedürfnisse der Schulen haben in Hamburg zu individuellen Lösungen geführt. Art und Umfang der Hard- und Software-Ausstattung aller Schulen ist sehr verschieden.

 

Um den Betreuungsaufwand zu verringern, sollten Standardlösungen verfügbar und bekannt gemacht werden - ähnlich wie es im Bereich des Projektes "Hamburger Schulen ans Netz" und länderübergreifend im Bundesarbeitskreis Netze in Schulen oder durch den Verein "Schulen ans Netz" versucht wird.

 

Standardlösungen im Betriebssystem-Bereich gab es bisher nur unter NOVELL.
Zur Unterstützung der lernorganisatorischen Systemverwaltung wurden entweder

das professionelle INiS (Integriertes Netzwerkbetreuungssystem in Schulen der Firma RDT, Neritz bei Bad Oldesloe) oder

das frei verfügbare ACHAT, ein Produkt der Diskussionen des Bundesarbeitskreises Netze in Schulen (von den Kollegen Michael Stütz, LEU Stuttgart, und Johannes Böttcher, Akademie für Lehrerfortbildung von Bayern in Dillingen, letztlich realisiert und gepflegt)

eingesetzt.

 

INiS ist an Berufsschulen nicht nur in Hamburger stark verbreitet, während ACHAT in anderen Bundesländern an allgemeinbildenden Schulen vielfach eingesetzt wird.

 

Individuelle Einzellösungen waren/sind nur in sehr kleinen Netzen mit höchstens 1 - 2 Räumen und maximal 25 Plätzen zu betreiben, bei denen jedem Schüler die komplette Software zur Verfügung steht.

 

Das "wartungsfreie Netz" ist ein konzeptionelles Ziel der Kollegen Rüddigkeit und Kuhley aus Hessen, die weder INiS noch ACHAT einsetzen. Sie setzen auf eine saubere Nutzerverwaltung unter NOVELL auf dem Server und eine Sicherung der Arbeitsplätze mit dem Daten-Airbag (der Firma ELABO aus Kinding-Haunstetten). Dieser Schutz ist für Arbeitsplätze mit dem Betriebssystem Windows 95 notwendig, da diese Plätze nicht durch das Remote-Booten über den Server ausreichend geschützt werden können. Die Kosten pro Arbeitsplatz betragen 200 bis 250 DM.

 

Mit der Einführung von Windows 95 wurde das fest konfigurierte sichere Netzsystem aufgeweicht, weil Windows 95 das Remote-Booten nicht unterstützt. Die Software wird meist lokal installiert. Wenn Windows95-Arbeitsplätze nicht geordnet abgeschaltet werden, gibt es Störungen beim nächsten Start. Veränderungen, die ein User lokal vornimmt, können bewirken, daß der Arbeitsplatz ganz ausfällt. Das gilt es zu verhindern. Die Verwaltung der Windows95-Arbeitsplätze ohne Betriebssystem-Ergänzung (ohne INiS, Daten-Airbag oder/und ACHAT) ist den Kollegen nicht zuzumuten.

Die neuen Versionen von INiS 3 und ACHAT sind wichtige Hilfen, die auf NOVELL- oder WindowsNT-Servern laufen (INiS für NT ist angekündigt!). Für LINUX-Server ist bisher noch keine Verwaltungsoberfläche für den Unterrichtsbetrieb bekannt. LINUX-Server stellen deshalb zur Zeit nur gute Ergänzungen dar, um bestehende Netze mit Internet- bzw. Kommunikationsservern zu erweitern.

 

Die lernorganisatorische Systemverwaltung wird wesentlich unterstützt durch INiS oder ACHAT.
Die das Netz nutzenden Kolleginnen und Kollegen schalten vom Lehrerplatz die Klasse und die gewünschte Anwendung frei, so daß die Klasse bei der Arbeit "pädagogisch" betreut werden kann:

Daten können nachgereicht und eingesammelt werden,

Klassenarbeiten im Netz sind problemlos machbar,

die Bildschirmübertragung wird softwaremäßig unter INiS ermöglicht, so daß die Anzeige von einem Platz (Lehrer oder Schüler) auf alle Bildschirme im Raum erfolgen kann.

Den Schulen, die dabei sind, Netze erstmalig einzurichten, sollte empfohlen werden, INiS oder ACHAT einzusetzen. Die positiven Erfahrungen der Schulen, die bereits längere Zeit EDV-Netze betreiben, sollte man nutzen. System-Betreuer, die INiS bisher einsetzen, haben natürlich über Probleme berichtet - aber auf INiS verzichten will keiner. (Ein Autofahrer wird auch nicht zu Fuß gehen, weil sein Auto etliche "Macken" hat.)

 

Es sollte darüber nachgedacht werden, eine landesweite Lizenz von INiS zu erwerben und den Schulen eine Standard-Installation für Server und Clients professionell bereitzustellen. Diese Standard-Installation müßte das Netzwerk- und das Client-Betriebssystem, die Standard-Anwenderprogramme (Text, Tabelle, Grafik, .. = Office-Lösung) mit Internet-/Intranet-Funktion (Web, E-Mail, News) umfassen.

 

 

7.3 Geräte

 

Für die Geräte-Beschaffung sollten monatlich aktualisierte Empfehlungen bezüglich der Ausstattung und des Preisrahmens veröffentlicht werden (auf dem Bildungsserver abgelegt).

 

Per News-Brett oder E-Mail auf dem Bildungsserver kontaktiert können mehrere Schulen gemeinsam einkaufen - trotz möglicher Ausstattungsvarianten. Bei Einkäufen in Stückzahlen über 50 Rechner ergeben sich größere Rabatte. Dadurch können Rechner eingekauft werden, die nicht nach einem Jahr als Fehlkauf bezeichnet werden müssen. Auch Aufrüstungen sind dann sinnvoll machbar. Angestrebt werden müssen leistungsstarke Einheitslösungen, die uns als Kollegen bei der Beschaffung und Erweiterung entlasten.
Ein Beispiel:
Hochwertige LAN-Karten kosten einzeln 150 DM, im 100er-Pack nur 100 DM pro Stück.

 

Hilfen bei den schwerwiegenden Entscheidungen müssen angeboten werden, wie bei der kompletten Vernetzung einer ganzen Schule.

 

 

7.4 Internet-Zugang

 

Um die Internet-Zugangskosten für die Schulen finanzierbar zu machen, muß jede Schule eine feste Internet-Verbindung bekommen. Diese kann über das Behördennetz an die Uni-Hamburg oder TU-Harburg gehen.

Eine entsprechende Lösung wurde für 100 DM pro Monat (als Pauschale für Telefon- und Internet-Zugangskosten an den Provider) beispielhaft in Bremen umgesetzt.

Für einen Stadtstaat wie Hamburg, der schulmäßig 2- bis 3-mal größer ist als Bremen, müßte sich das in gleicher Weise realisieren lassen.

 

Nach der Einzelplatzlösung über eine Wählverbindung ans Internet haben wir jetzt die Netzlösung über eine Wählverbindung ans Internet. Die logische Weiterentwicklung ist die schulweite Netzlösung über eine Festverbindung ans Internet zu minimalen Kosten.

Dabei sollte mit Weitsicht geplant werden, so daß nicht die Systemverwalter die Prügelknaben sind, wenn die Internet-Verbindung so langsam wird, weil alle Schulen gleichzeitig im Internet surfen.

 

 

8 Schlußwort

 

Die Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung sollte nicht nur die Anschaffung von Computer-Hard- und Software unterstützen, sondern muß jetzt die Weichen für ausreichende Manpower stellen, die sich um das reibungslose Funktionieren dieser gesponserten oder von den Schulen selbst gekauften Hardware, der darauf laufenden Software und der dauerhaften sinnvollen pädagogischen Nutzung kümmert. Mit einer Erhöhung der Lehrer-Pflicht-Stunden ist uns nicht geholfen, da wir mit unserem Arbeitseinsatz schon längere Zeit mehr als Über-Soll erbringen!