Die nachstehend genannten sechs Phasen werden je nach Projektprozess eine unterschiedliche Gewichtung erfahren. Die Gesprächsphase bedarf besonders viel Raum und Zeit in der Zeit, in der das Stück im Entstehen ist, die Schülerinnen und Schüler sich also kreativ an dem Thema abarbeiten.
Die Entwicklung von szenischer Gestaltung geschieht in einem Regelkreis von Wahrnehmen-Gestalten-Reflektieren. Die Schülerinnen und Schüler sollen nicht die Inszenierungsideen ihres Lehrer-Spielleiters ausführen, sondern selbst Herr ihrer Gestaltung sein. Damit ist nicht jede erstbeste Schüleridee sakrosankt., die vielleicht nur ein mehr oder weniger bewusster Medienreflex ist.
Selbstverantwortlichkeit ist ein hoher Anspruch. Im Gespräch über die Schülerentwürfe zeigt sich erst, dass die Schülerinnen und Schüler wirklich am Prozess beteiligt sind. Außerdem geschieht hier der eigentliche Lernprozess, da gemachte Erfahrungen zu besprechen bedeutet, diese zu ordnen und zu speichern. So werden sie erstens vergleichbar und zweitens für zukünftige Erfahrungen abrufbar.
Alle Schülerinnen und Schüler sollen regelmäßig Feedback geben und Feedback nehmen.
In großen Kursen ist es sinnvoll Beobachtungsgruppen und Spielgruppen einander zuzuteilen, sodass nicht jeder jeden beobachten muss. Die Gespräche sollten aber in der Gesamtgruppe stattfinden. Die Regeln sollen mit den Schülerinnen und Schüler gemeinsam gelesen und erörtert werden. Die Nutzung des Beobachtungsbogens ist zu üben. Nach genügend Training kann dieser auch weiterentwickelt werden.
Richte deine Aufmerksamkeit während der Präsentation auf das Spiel und nutze den Beobachtungsbogen. Mit diesen Notizen fällt es dann leicht ein Gespräch zu führen. Formuliere deine Wahrnehmung der gesehenen Szene und nutze dabei die Fachsprache. Was dir unklar ist, formulierst du als Frage. Vermeide es herumzulabern. Versuche vielmehr das Konzept der Gruppe zu verstehen. Zu diesem kannst du konkrete Vorschläge unterbreiten, die helfen können, die Szene weiter zu entwickeln. Akzeptiere, dass die Gruppe, die du beobachtet hast, ihren eigenen Standpunkt vertritt.
Als Spieler/in ist es spannend zu hören, was die Zuschauer gesehen haben. Sie formulieren ihre Sichtweise, die anders sein mag als deine. Fühle dich nicht angegriffen und greife nicht an bzw. verteidige dich nicht, sondern versuche, die anderen Sichtweisen zu verstehen, indem du Fragen stellst. Wenn du bereits bei der Entwicklung einer Szene und deiner Figur auch über das "Weshalb so und nicht anders" nachdenkst, dann fällt es dir auch leichter deine Darstellungsweise zu begründen.
Der Lehrer muss unterscheiden zwischen der Moderation eines Schüler-Feedbacks und seiner eigenen Beurteilungsaufgabe. Um diese geht es an dieser Stelle nicht. In dieser Phase kann man sich aber grundsätzlich verdeutlichen, dass etwas, bevor es beurteilt wird, erst einmal wahrgenommen werden muss, und zwar nicht in seiner Abweichung von irgendwelchen Kriterienkatalogen, sondern in seiner Eigenheit.
Hier geht es darum ,dass sich die Schülerinnen und Schüler und die Spielleitung auf das Präsentierte einlassen, dass sie nicht in erster Linie auf das Aufzeigen von Mängeln oder auf Verbesserungsvorschläge aus sind. Das von den zuschauenden Personen Wahrgenommene wird in Form einer Beschreibung an die Spielerinnen und Spieler rückgemeldet. Das Feedback-Geben in der Gruppe ist kein Selbstgänger, Feedback-Regeln müssen aufgestellt, ihre Anwendung eingeübt werden, damit sich eine für die Arbeit hilfreiche Feedback-Kultur in der Gruppe entwickeln kann. Lehrer wie Schüler benoten oft vorschnell. In unserem Schulsystem, das sehr stark auf Noten setzt, ist das kein Wunder. Ohne dass sie sich auf das einlassen, was sie wahrgenommen haben, fällen sie allgemeine Urteile, mehr oder weniger deutlich in Schulnoten. Diese Beurteilungen werden so formuliert, als ob sie allgemein gültig seien, vermieden werden häufig Ich-Aussagen.
Bei der Präsentation ästhetischer Ergebnisse aber geht es nicht nur um persönliche Gestaltungen der Spielerinnen und Spieler, sondern auch um persönliche Wahrnehmungen, persönliche Beurteilungen der Zuschauer. Für die Akzeptanz der weiteren Entwicklungsarbeit ist es wichtig, die Subjektivität des ästhetischen Gestalten und Urteilens explizit zu machen. Daher sollten wir ein Feedback geben, das sich in das Wahrgenommene einfühlt und Ich-Aussagen zum Wahrgenommenen macht.
| 1. Zusammensetzung der Szene (Komposition) | Deine Notizen |
| Aufbau der Szene- Beginn/Einstieg- Entwicklung- Schluss | |
| Stimmigkeit:- der Situation- der Beziehung der Personen | |
| Raum- Anordnung- Bewegung im Raum | |
| Zeit- Gliederung- Dynamik- Wechsel Spiel/Sprechen | |
| Sprache- Angemessenheit (bei eigenem Text) | |
| 2. Darstellung des beobachteten Spielers (vorher zuordnen) | |
| Verkörperung der Rolle- Mimik- Gestik- äußere Haltung- Bewegung, Gänge- Durchhalten der Rolle | |
| Sprache und Stimme- Verständlichkeit- Variation im Sprechen- Emotion im Sprechen- partnerbezogenes Sprechen- Stimme (Klang, Lautstärke) | |
| Ensemblespiel- Impulse geben und aufnehmen- Raum geben und einnehmen- Absprachen einhalten | |
| Spiel im Raum | |
| Spiel mit Requisit und Kostüm |